Microsoft MVP: Was der Titel wirklich bedeutet und wie man ihn bekommt

Johannes Schild
7. Mai 2026
Lesezeit: 7 min
Microsoft MVP: Was der Titel wirklich bedeutet und wie man ihn bekommt

Anastasios Ntaflos ist Modern-Work-Experte bei evoila und seit nun etwas mehr als einem Jahr Microsoft Most Valuable Professional (MVP). Im Interview erzählt er, wie er dazu kam, was der Titel im Arbeitsalltag verändert und warum Passion das Einzige ist, das wirklich zählt.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Lieber das ganze Gespräch schauen? Im Video oben erzählt Anastasios alles in seinen eigenen Worten. Weiter unten sind die wichtigsten Themen noch einmal aufbereitet zusammengefasst.

Was ist eigentlich ein Microsoft MVP?

MVP steht im Microsoft-Universum für Most Valuable Professional. Die Auszeichnung vergibt Microsoft an externe Experten, die sich außerhalb ihrer regulären Arbeitszeit aktiv in die Tech-Community einbringen. Keine Bewerbung im klassischen Sinne, kein Casting. Man wird nominiert, entweder von einem Microsoft-Mitarbeiter oder von einem bereits aktiven MVP.

Weltweit gibt es rund 3.500 MVPs, in Deutschland zwischen 150 und 180. Wer den Status erhält, bekommt Zugang zu Produktverantwortlichen in Redmond (Washington, USA), exklusive Lizenzpakete, Azure-Credits für Demo-Umgebungen und monatliche Briefings zu neuen Features. Alles unter NDA, denn der Wissensvorsprung ist real.

25 Jahre Microsoft-Ökosystem: Der Weg von Anastasios

Anastasios Ntaflos ist seit über 25 Jahren im Microsoft-Umfeld tätig. Das fängt beim LinkedIn-Untertitel an: Microsoft Fanboy. Und er meint es ernst.

Nach dem Studium startete er als Freiberufler und spezialisierte sich auf Software-Paketierung, also darauf, Software so vorzubereiten, dass sie automatisch verteilt werden konnte. Vorher lief noch jemand mit Diskette oder CD von Rechner zu Rechner. Ab 2010 kam SharePoint dazu, dann das gesamte Thema Kollaboration im Enterprise-Umfeld. Heute verantwortet er bei evoila den Bereich Modern Work mit Microsoft 365 und Copilot als Schwerpunkte.

Seine Motivation hat sich dabei über die Jahre nicht verändert:

„Ich habe Microsoft sehr, sehr viel zu verdanken in meiner Karriere. Direkt nach dem Studium hatte ich Kontakt mit Microsoft und war seitdem als Freelancer sehr aktiv.

Die Nominierung: Ein LinkedIn-Kommentar als Ausgangspunkt

Anastasios schreibt seit über 15 Jahren einen Blog. Der Grund dahinter ist so simpel wie überzeugend:

„Ich wollte der Community etwas zurückgeben, weil ich als junger Mensch sehr viel in Foren durchforstet habe. Irgendwann habe ich den Punkt erreicht, wo ich gesagt habe, ich gebe der Community etwas zurück. Aber ich habe mich dabei selbst weitergebildet, weil immer wenn ich einen Blogbeitrag geschrieben habe, habe ich mich mit einer Technologie auseinandergesetzt.

Dieser Blog wurde irgendwann von Alexander Eggers entdeckt, einem MVP mit starkem Fokus auf Microsoft Copilot. Ein Kommentar auf LinkedIn, ein Gespräch, dann im Dezember die Andeutung, dass er Potenzial für den MVP-Status sehe. Und dann, am 22. April 2024, die E-Mail aus Redmond.

Ich habe tatsächlich eine Woche lang immer nachgeschaut, ob diese berühmte Begrüßungsmail eingegangen ist. Und plötzlich stand da die Gratulierung, dass ich den MVP-Status bekommen habe.

Community-Arbeit: Was Anastasios konkret macht

Der MVP-Status ist kein Selbstläufer. Microsoft erwartet kontinuierliches Engagement und fragt bei der Nominierung nach, was in den letzten zwölf Monaten an Aktivitäten geleistet wurde. Bei Anastasios ist das eine klare Mischung aus Blog, einer selbst entwickelten Anwendung namens „Chati“ (Promptgenerator) und einer eigenen Kurzvideo-Serie: „Don’t Ask Me, Ask Copilot“ zeigt mit konkreten Fallbeispielen, wie Microsoft Copilot die Zusammenarbeit im Alltag verändert.

Der Sonntag ist bei ihm fest als Content Day geblockt. Notizen der Woche aufbereiten, Beiträge planen, veröffentlichen. Zuletzt war er als Speaker bei einem Microsoft-Event eingeladen, wo er den Excel Agent-Modus mit Copilot vorgestellt hat.

Dass dieser Aufwand nicht ohne Kosten bleibt, sagt er offen:

Vor der Nominierung war ich dunkelhaarig, jetzt bin ich ganz grau. Es kostet wirklich sehr, sehr viel Energie. Da muss ich offen und ehrlich sein, da fließt sehr viel Freizeit rein. Aber es fühlt sich nicht wie Arbeit an, zum Glück.

Warum das Wissen von heute morgen schon überholt ist

Ein Satz aus dem Gespräch bringt Anastasios‘ Antrieb vielleicht besser auf den Punkt als alles andere:

Alles, was wir heute lernen, ist morgen kalter Kaffee. Unser Wissen hat heutzutage eine sehr geringe Haltbarkeitszeit. Und ich sehe das als Chance, mit den Blogbeiträgen, den Aktivitäten und den Use Cases mich selbst weiterzubilden und andere Menschen zu inspirieren.

Das ist kein Bescheidenheitsfloskeln, sondern eine echte Haltung, die sich durch seine gesamte Karriere zieht. Wer aufhört zu lernen, verliert den Anschluss. Wer das Lernen öffentlich macht, hilft gleichzeitig anderen.

Was der Titel für evoila und die Kunden bedeutet

Der MVP-Status ist keine rein persönliche Angelegenheit. Durch das MVP-Netzwerk hat Anastasios die Möglichkeit, Feedback direkt an Produktverantwortliche in Redmond weiterzugeben. Kunden berichten von konkreten Problemen oder Verbesserungswünschen, und dieser direkte Draht zu den Produktverantwortlichen in Redmond ist ohne MVP-Status schlicht nicht möglich.

evoila unterstützt das aktiv, denn ohne Rückendeckung des Arbeitgebers wäre vieles nicht möglich. Anastasios bringt das klar zum Ausdruck:

Als erstes muss ich ein riesiges Dankeschön an evoila loswerden, weil sie diese Situation als MVP-Arbeit möglich machen und unterstützen. Ich werde auch von Microsoft zu Konferenzen eingeladen, und da ist der Arbeitgeber natürlich ein Schlüssel, dass das gefördert wird.

Der Global MVP Summit: Eine Woche in Redmond

Ende März reiste Anastasios zum ersten Mal zum Global MVP Summit auf den Microsoft Campus in Redmond. Eine Woche lang mit anderen MVPs aus dem DACH-Raum und weltweit, direkter Austausch mit Produktverantwortlichen, exklusive Einblicke in die Roadmap, Campus-Besichtigungen. Alles unter NDA.

Wir haben gerade eine so spannende Zeit, was KI angeht, mit Microsoft Copilot, Microsoft 365 und den ganzen Lizenzmodellen. Da freue ich mich ungemein darauf. Und natürlich auf den Austausch mit anderen MVPs. Es ist auch sehr viel Nerd-Talk, aber man bekommt auch sehr viel Zeit, um in die Redmond-Welt reinzuschauen.

Für ihn ist der Summit mehr als ein Event:

Das ist praktisch die Kirsche auf der Sahne für all die Arbeit, die ich in den letzten Jahren geleistet habe.

Noch ein Award obendrauf: Tech Insider bei Omnissa

Was viele nicht wissen: Anastasios ist sehr wahrscheinlich der einzige MVP, der gleichzeitig noch einen weiteren Community-Award hält. Omnissa, Hersteller von Workspace One und Horizon VDI, hat ihn vor ein paar Monaten zum Tech Insider ernannt. Dasselbe Prinzip wie beim MVP, kontinuierliche Community-Arbeit, Sichtbarkeit, Authentizität. Offenbar eine Formel, die funktioniert.

Wie wird man selbst MVP? Drei ehrliche Empfehlungen

  • Passion ist nicht verhandelbar. 
    Wer nicht selbst von der Technologie überzeugt ist, wird sich nicht dauerhaft motivieren können. Anastasios dazu: „Man muss wirklich an die Technologie glauben. Wenn man nicht selbst überzeugt ist, sich jeden Tag irgendwie zu motivieren, darüber zu berichten oder sich Notizen zu machen, ist das sehr schwer.
  • MVP-Community aktiv ansprechen. 
    Auf LinkedIn sind die meisten MVPs erreichbar. Viele bieten kostenlose Sprechstunden an. „Sharing is Caring“ ist kein Slogan, sondern gelebte Praxis im MVP-Netzwerk.
  • Die offizielle Seite nutzen. 
    Unter mvp.microsoft.com gibt es alle Informationen zum Programm, inklusive des Student Ambassador-Programms für alle, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen.

Was der Titel persönlich bedeutet

Am Ende des Gesprächs geht es nicht mehr um Benefits oder Netzwerke:

Es ist auf jeden Fall ein Ritterschlag für die Arbeit und den Fleiß, den man erbracht hat. Diese Energie, wenn man sich bei den großen Events sieht, sich in den Armen fällt und sich stundenlang über Registry oder Copilot-Prompts austauscht, ist so toll. Das will ich nicht missen.

Und falls der MVP-Status eines Tages nicht mehr verlängert wird? Er würde es verkraften. Aber die monatlichen Calls mit den Produktverantwortlichen aus Redmond, die würde er vermissen. Das sagt wohl alles.

Anastasios Ntaflos ist Modern-Work-Experte und Microsoft MVP bei evoila. Ihr findet ihn auf LinkedIn sowie auf seinem Blog, wo er regelmäßig zu Microsoft 365 und Copilot schreibt.